Bläser künden von erwachender Lebensfreude

Autor: Bernd Neuschl | Medium: Badische Neue Nachrichten | Datum: 21. März 2016

Auftritte des Sinfonieorchesters Bretten entpuppen sich als Frühlingserwachen pur

Als Frühlingserwachen pur entpuppten sich die Auftritte des Sinfonieorchesters Bretten, das am vergangenen Wochenende in der Oberderdinger Laurentiuskirche und der Brettener Stiftskirche konzertierte. Es ist schon erstaunlich, mit wie viel Hingabe die jungen Musiker und Freunde des Melanchthongymnasiums zu Werke schreiten. Schließlich ist vor allem Schumanns „Frühlingssinfonie“ unter technischen und gestalterischen Aspekten kein Sonntagsspaziergang. Hier wurde nicht mechanisch musiziert, Carolin Wandel ließ  dem großen Orchester vielmehr ertragreich sprudelnde Klänge entquellen. Nun wollte Schumann seine erste Sinfonie niemals als Programmmusik verstanden wissen. Dennoch drängten sich jene aufblühenden Frühlingsbilder seiner ersten Skizzen geradezu auf. So kündeten herrlich erhabene Blechbläser im ersten Satz von der erwachenden Lebensfreude, die dieser Jahreszeit innewohnt. Der Rest des Orchesters antwortete diesem Ruf zunächst mit Bedacht im Andante, um dann in jubelnde Takte voll Euphorie zu gleiten. Das lyrisch ergreifend ausgestaltete Larghetto war dagegen von schwärmerischen Phrasierungen geprägt, die aber auch Raum für sehnsuchtsvolle Abschnitte ließen. Der im Tempo gut gewählte Grundpuls fungierte unter Carolin Wandels hier und da dezent verzögernden Taktstock nicht als statisches Metrum, sondern als entschleunigendes Grundgetriebe des reibungslos agierenden Klangapparates. Das bezwingende Scherzo gab den Streichern reichlich Gelegenheit, ihr Können in Sachen Moll und Synkopenschärfe zu zeigen: Zupackend und konstant energiegeladen, wurde hier vorwärtsdrängend agiert, ehe die aufknospenden Soli der Holzbläser zum Rasten einluden. Und die Hornisten stießen zielsicher in ihre Hörner, als wollten sie zur Jagd rufen. Das abschließende Allegro meisterte das Orchester sattelfest im Tempo und farbenfroh im ertragreichen Ausdruck: Mal wuchtig, mal kokett tirilierend. Großer Applaus für eine großartige Leistung. Der Konzertauftakt konnte ebenfalls romantischer nicht sein, auch wenn Johannes Brahms in seiner „Akademischen Festouvertüre“ vier süffige Studentenlieder mit fein kultivierendem Zwirn eingenäht hat. Das Orchester reagierte auf das filigran-federnde Dirigat von Wandel überzeugend fröhlich, aber dennoch würdevoll. Mit ausgesuchter Akkuratesse wurde da musiziert. Konzertmeister Robert Gervasi am ersten Geigenpult lieferte hier eine klingende Visitenkarte seiner wichtigen Arbeit ab: Die Auf- und Abstriche waren homogen, selbst ein Wechsel des Bogenstrichs verlief über alle Pulte hinweg ohne Einschnitte oder ungewollte Betonungen. Mit zunehmender Oktavlage und Schützenhilfe der Bläserfraktion  steigerte sich auch die Intonation. Die „Streicherserenade e-Moll“ aus der Feder von Edward Elgar zeigte vor der Pause, dass die Arbeit der Musikpädagogen am MGB auf fruchtbaren Boden fällt: Die jungen Nachwuchskünstler spielten hier mit verblüffend künstlerischem Interesse und einem dynamischen Variantenreichtum, der sich im zweiten Satz noch weiter steigerte.  Aufmerksam und mit Bedacht wurde hier mit hingebungsvollem Herzen Musik gemacht. Diese schönen Klangmomente waren durchflochten von einem bewusst zaghaften Vibrato, welches das zarte Legato dezent veredelte. Der sanfte Abschlag von Carolin Wandel führte am Ende zu keinem Verwelken, sondern zu einem in fragiler Reinheit verblühenden Schlussakkord. Nach einem Moment des Innehaltens brandete der Applaus umso begeisterter auf. Wer das Orchester noch einmal hören möchte: Am 10. und 11. Juni tritt es gemeinsam mit dem Chor des Melanchthongymnasiums in der Brettener Stiftskirche auf. John Rutters „Mass of the Children“ wird dann zu Gehör gebracht. Nach dem Frühlingserwachen steht also die unbeschwerte Sommerfreude vor der Tür.

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Konzert Stiftskirche Bretten 2015 – Mystik mit Peer Gynt

Autor: Claudia Jordan | Medium: Badische Neue Nachrichten | Datum: 11. Mai 2015

Sinfonieorchester des Melanchthon-Gymnasiums zieht sein Publikum in ehrfürchtigen Bann

Spitz ragen die Bögen der Streichinstrumente in einem Halbkreis um Désirée Renz, Schülerin des Melanchthon-Gymnasiums Bretten, in die Luft. Sie muten wie bedrohliche Speere an, die in angespannter Bewegungslosigkeit verharren, während Désirée die Geschichte über Peer Gynt erzählt.
Der chronische Lügner und Aufschneider irrt auf der Suche nach sich selbst durch eine Welt wütender Trolle, gerissener Wüstenschönheiten und eingeschworener Dorfge-meinschaft. “Er entkommt den Trollen, die ihm die Augen auskratzen, ihn beißen und sogar schlachten wollen”, liest Désirée vor, schlägt das Heft zu und geht ruhig zurück zu ihrem Stuhl. Sie setzt die Violine an, und die erstarrten Geigenspeere um sie herum versetzen sich sanft in Bewegung, so dass die Musik des Sinfonieorchesters, das am Melanchthon-Gymnasium probt, den gesamten Kirchenraum erfüllt. Auf der Grundlage des Gedichtes von Henrik Ibsen komponierte Edvard Grieg die Orchstersuiten “Peer Gynt”.
Das 64-köpfige Sinfonieorchester besteht aus Oberstufenschülern und Lehrern des Gymnasiums, Ehemaligen und Freunden. “Die Erwachsenenbestetzung ist seit etwa elf Jahren stabil, während immer mal wieder neue Schüler dazu kommen oder gehen. So können wir das hohe Niveau unseres Orchesters halten”, erklärt Carolin Wandel, Lehrerin und Leiterin des Orchesters. Für dieses Konzert hat Wandel gemeinsam mit ihren Musikern die Ouvertüre “Nachklänge von Ossian” von Niels Wilhelm Gade, die Orchestersuiten “Peer Gynt” von Edvard Grieg und “Die Unvollendete” Sinfonie in h-Moll von Franz Schubert ausgewählt. “Welche Stücke wir auswählen, hängt auch immer von der vorhandenen Besetzung ab”, erklärt sie, “diesmal hatten wir zum Beispiel eine Harfe, der in “Nachklängen von Ossian” große Bedeutung zukommt.”
Hauptteil und Höhepunkt bilden die Peer-Gynt-Orchestersuiten, die Désirée Renz mit ihrer Lesung in kurze Teile bricht. Das Orchester versorgt die Zuhörer in der Kirche mit der passenden Musik zu den Bildern in ihren Köpfen. Die zupfenden Geigen geben die tippelnden Schritte des fliehenden Peer wieder, verfolgt von donnernden Trommel-schlägen – den stampfenden, wütenden und bedrohlichen Trollen. Entführt in eine andere Welt, scheinen auch die Musiker selbst zu sein, konzentriert starren sie auf ihre Notenblätter. Scheinbar wie von selbst bewegen sich ihre Streichbögen in wellen-förmigen Bewegungen in einem mystischen Tanz über die hölzernen Instrumente. Diese alles erfüllende, epische, durch Mark und Bein dringende Musik scheint so von den Instrumenten durch die Musiker hin zum Publikum zu fließen und es zu umhüllen. Die Zuhörer scheinen vor Ehrfurcht erstarrt, denn erst nach einigen Sekunden absoluter Stille trauen sie sich nach Ende des Stücks, eifrig Beifall zu klatschen.

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Frühjahrskonzert 2014 – Ein Abend mit Gänsehaut-Momenten

Autorin: Julia Schöffler | Medium: – | Datum: Juni 2014

Es ist die Zeit der großen Jahrhundertwende. In Paris wird der Eiffelturm errichtet, die Pinselstriche auf den Gemälden werden ungenauer und die Menschen sehnen sich nach der Exotik ferner Länder. Diese Zeitreise konnte das Publikum am Freitag- und Samstagabend beim Konzert des Sinfonieorchesters Bretten am Melanchthon-Gymnasium miterleben. Nicht mehr romantisch, noch nicht modern: Dieser schwebende Zustand, dieses Aufbrechen zu etwas Neuem war deutlich in Maurice Ravels „Pavane pour une infante défunte“ zu hören. Ein Stück, das berührte und dessen Klangteppich ganz schlicht und melancholisch von den Streichern und Holzbläsern durch die Stiftskirche ausgebreitet wurde. Gerade bei den feinen Dynamikfacetten, auf die es bei dieser Musik so sehr ankommt, zeigte sich das Können des Orchesters, bestehend aus Schülern, Lehrern, Dozenten, Freunden und Dirigentin Carolin Wandel. Weiterlesen

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zum Konzert in der Stiftskirche

Autor: Bernd Neuschl | Medium: Badische Neue Nachrichten | Datum: März 2012

Für einen Abiturienten am Melanchthongymnasium gibt es zwischen den Prüfungen viele Möglichkeiten, die rare wie wertvolle Freizeit zu genießen. Luis Weißenrieder pfeift aber auf Erholungspausen und bläst lieber Carl-Maria von Webers „Concertino für Klarinette und Orchester“. Dieses romantische Kabinettsstückchen erweckte er in der Brettener Stiftskirche mit eifriger Energie zum Leben. Die Rückendeckung vom Sinfonieorchester am MGB beflügelte ihn zu solistischer Eleganz: Mal samtig tupfend, mal präzise perlend fabrizierte er flinke Tonfolgen, die mit flackernden Trillern aufblühten. Das Orchester servierte die idyllischen Beilagen äußerst feinfühlig und facettenreich: Lyrisch und dennoch lustvoll, kraftvoll und dennoch konzentriert. Der Beifall prasselte herzlich und reichlich auf Solist und Orchester herein. Anschließend erfüllte spanisches Flair den sakralen Raum: Ein flirrendes Glühen züngelt in der „Prélude“ aus den Saiten der Violinen. Cellisten mischen eine melancholische Melodie dazu. Dirigentin Carolin Wandel vermag mit George Bizets „Carmen“ ein temperamentvolles Spektrum an rassigen Raffinessen aufzufächern. Die Dynamischen Steigerungen der „Aragonaise“ waren hervorragend ausgearbeitet. Weiterlesen

Zwischen schwebender Schwerelosigkeit und pompöser Schwerkraft

Autor: Maroje Culinovic | Datum: 18.04.2008

Das Sinfonieorchester Bretten am Melanchthon-Gymnasium mit gelungener Premiere in Oberderdingen. „Am Anfang ist man nervös, weil man nicht weiß, wie das Publikum auf die Stücke reagieren wird, doch nach dem ersten Stück legt sich das wieder und es macht dann auch richtig Spaß.“ Dieser Kommentar stammt von Marie Schneider, Schülerin des Melanchthon-Gymnasiums und Cellistin im Sinfonieorchester Bretten am Melanchthongymnasium, die sichtlich zufrieden mit dem soeben absolviertem Auftritt in der Laurentius-Kirche in Oberderdingen ist. Doch Spaß macht es nicht nur zu spielen, auch dem Orchester zuzuschauen und –hören bereitet Kurzweil. Ein besonderer Anblick ist es, wenn Schülerinnen und Schüler zusammen mit Ehemaligen, Eltern, Lehrern und Freunden fernab von jeglicher Generationentrennung zusammen ein Programm von sinfonischer Musik darbieten und voll Motivation und Hingabe dem Publikum fühlbar nahe bringen. Weiterlesen