Konzert Stiftskirche Bretten 2015 – Mystik mit Peer Gynt

Autor: Claudia Jordan | Medium: Badische Neue Nachrichten | Datum: 11. Mai 2015

Sinfonieorchester des Melanchthon-Gymnasiums zieht sein Publikum in ehrfürchtigen Bann

Spitz ragen die Bögen der Streichinstrumente in einem Halbkreis um Désirée Renz, Schülerin des Melanchthon-Gymnasiums Bretten, in die Luft. Sie muten wie bedrohliche Speere an, die in angespannter Bewegungslosigkeit verharren, während Désirée die Geschichte über Peer Gynt erzählt.
Der chronische Lügner und Aufschneider irrt auf der Suche nach sich selbst durch eine Welt wütender Trolle, gerissener Wüstenschönheiten und eingeschworener Dorfge-meinschaft. “Er entkommt den Trollen, die ihm die Augen auskratzen, ihn beißen und sogar schlachten wollen”, liest Désirée vor, schlägt das Heft zu und geht ruhig zurück zu ihrem Stuhl. Sie setzt die Violine an, und die erstarrten Geigenspeere um sie herum versetzen sich sanft in Bewegung, so dass die Musik des Sinfonieorchesters, das am Melanchthon-Gymnasium probt, den gesamten Kirchenraum erfüllt. Auf der Grundlage des Gedichtes von Henrik Ibsen komponierte Edvard Grieg die Orchstersuiten “Peer Gynt”.
Das 64-köpfige Sinfonieorchester besteht aus Oberstufenschülern und Lehrern des Gymnasiums, Ehemaligen und Freunden. “Die Erwachsenenbestetzung ist seit etwa elf Jahren stabil, während immer mal wieder neue Schüler dazu kommen oder gehen. So können wir das hohe Niveau unseres Orchesters halten”, erklärt Carolin Wandel, Lehrerin und Leiterin des Orchesters. Für dieses Konzert hat Wandel gemeinsam mit ihren Musikern die Ouvertüre “Nachklänge von Ossian” von Niels Wilhelm Gade, die Orchestersuiten “Peer Gynt” von Edvard Grieg und “Die Unvollendete” Sinfonie in h-Moll von Franz Schubert ausgewählt. “Welche Stücke wir auswählen, hängt auch immer von der vorhandenen Besetzung ab”, erklärt sie, “diesmal hatten wir zum Beispiel eine Harfe, der in “Nachklängen von Ossian” große Bedeutung zukommt.”
Hauptteil und Höhepunkt bilden die Peer-Gynt-Orchestersuiten, die Désirée Renz mit ihrer Lesung in kurze Teile bricht. Das Orchester versorgt die Zuhörer in der Kirche mit der passenden Musik zu den Bildern in ihren Köpfen. Die zupfenden Geigen geben die tippelnden Schritte des fliehenden Peer wieder, verfolgt von donnernden Trommel-schlägen – den stampfenden, wütenden und bedrohlichen Trollen. Entführt in eine andere Welt, scheinen auch die Musiker selbst zu sein, konzentriert starren sie auf ihre Notenblätter. Scheinbar wie von selbst bewegen sich ihre Streichbögen in wellen-förmigen Bewegungen in einem mystischen Tanz über die hölzernen Instrumente. Diese alles erfüllende, epische, durch Mark und Bein dringende Musik scheint so von den Instrumenten durch die Musiker hin zum Publikum zu fließen und es zu umhüllen. Die Zuhörer scheinen vor Ehrfurcht erstarrt, denn erst nach einigen Sekunden absoluter Stille trauen sie sich nach Ende des Stücks, eifrig Beifall zu klatschen.

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