Sinfonieorchester 13.- 15.01.2012 in Neckarzimmern

Schwerfällig kriecht der Bus den Berg hoch zur Tagungsstätte d. evg. Jungend.

Vollgepackt, nicht nur mit Musikern, ihren Instrumenten, Koffern, sondern er hat auch noch einen „boeuf sur le toit“ ! Im Geiste schielt Götz von Berlichingen von seiner Burg Hornberg misstrauisch, was sich da in seiner Nachbarschaft niederlässt. Das Ziel Tagungsstätte ist erreicht. Wie immer: Zimmerverteilung, Betten beziehen, Abendessen und dann mit Elan in die erste Probe. Das Klarinettenkonzert, Es-Dur von Carl Maria von Weber liegt auf den Notenpulten.

Unsere Dirigentin Carolin Wandel beginnt – Allegro risoluto – zu dirigieren. Grazioso – den Tempi – giusto – arbeitet sie sich mit Luis – con brio – durch das Konzert. Unser Orchestermitglied Luis Weißenrieder ist der herausragende Solist. Seine perlenden Läufe und sein einfühlsames Spiel begeistern uns. Zum Schluss hat er sich den Applaus des Orchesters redlich verdient. Einige Zeit proben wir noch weiter, doch nach einem langen Schul- und Arbeitstag lässt die Konzentration – morento -, drei Stunden sind vergangen, nach und die Instrumente werden eingepackt.

Wie jedes Jahr sitzen wir zu vorgerückter Stunde, nach der Probe im Kaminzimmer gemütlich zusammen. Hell auf lodern das Feuer im Kamin, fachkundig von Harald angezündet. Einige der Jüngeren vergnügen sich mit dem Tischfußball. Mitgebrachter Kuchen, Süßigkeiten und Salziges ergänzen die verbrauchten Kalorien. Immer wieder brandet helles Gelächter auf, lebhaft wird erzählt und diskutiert bis wir nach Mitternacht den Abend ausklingen lassen.

Petrus ist uns wohlgesonnen, denn ein frostklarer Morgen begrüßt uns am Samstag. Der Raureif hat Blätter und Gräser mit filigranen Eisspitzen verzaubert. Im nahen Wald ruft ein Bussard und ein Eichelhäher hält mit seinem, wie Gelächter klingender Ruf, dagegen. Carolin stürzt sich – con espressione -  con fuoco – ins dirigieren. Wir haben jetzt den „boeuf sur le toit“ von Darius Milhaud vom Dach geholt. Mit unendlicher Geduld und manchmal mit zusammen gezogenen Augenbrauen, wenn es mal wieder zu schräg klingt. Doch mit ihrem liebenswerten Lachen richtet sie die geknickten Musikerseelen wieder auf. So leitet sie uns – risoluto – durch das Stück. Doch der Vormittag gehört auch den wichtigen Stimmproben.

Saskia Pasker, Praktikantin am MGB, widmet sich der Bläsergruppe. Musikpädagoge Rostislaw Zadykowitsch betreut die ersten Geiger. Die Stimmführerin Maren vermittelt den zweiten Geigen ihr Wissen und später kommt noch Rostislaw hilfreich dazu. Barbara Nöldecke steht der Bassgruppe professionell zur Seite. Nach dem Mittagessen und dem Küchendienst nützen einige das herrliche Wetter zu einem Spaziergang zur Burg Hornberg um seinem Standbild die gebührende Referenz zu erweisen. Ein traumhaft schöner Blick über das Neckartal mit seinen malerischen Orten belohnt uns für den entgangenen Mittagsschlaf.

Vollgetankt mit frischer Winterluft beginnt die Nachmittagsprobe. Wieder nehmen wir den „Boeuf“ in Angriff. Der Bläsergruppe wird hier einiges abverlangt und gekonnt stellen sie sich, den oft schwierigen, Herausforderungen. – con espressione – bis zu – vovacissimo – überstrahlen ihre Töne das Orchester.
Jetzt kommt die Orchestersuite 1 + 2 aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet zu ihrem Recht, denn sie erfordert auch einiges an Proben. Wie ein Torero dem Stier ausweicht, weicht Carolin – presto – den manchmal etwas merkwürdig klingenden Tönen, schwungvoll aus. Sie steht mit nie versiegender Ruhe am Dirigentenpult im grassen Gegensatz zu Toscanini gefürchtet wegen seiner Wutausbrüche, zerstörten Taktstöcken und zerrissenen Partituren.
Nach dem Abendessen für diesen Tag die letzten Probenstunden.
Als Einstimmung für den bunten Abend bietet unser allseits beliebter und verehrter Meister Roberto Gervarotti eine bühnenreife Carmen! Als „femme fatale“ mit um die Hüften geschlungenem Schal, in Ermangelung eines schwingenden Rockes, legt er einen Flamenco auf die Fliesen und mit der Arie: „Ja die Liebe hat bunte Flügel, solch einen Vogel zähmt man schwer…“ ruft er bei uns allen eine unbezähmbare Lachlust hervor, dass wir fast von den Stühlen rutschen. Mit feurigen Blicken schmettert er besagte Arie vom Bariton bis in den höchsten Diskant tremolierend klettert er empor. Mit schnippenden Finger die Kastagnetten ersetzend und immer schwungvolleren Schritten, reißt er sein begeistertes Publikum zu wahren Beifallsstürme hin.
Die Instrumente werden zu später Stunde eingepackt und der bunte Abend beginnt. Unsere Doktorin Katrine beginnt mit einem Welleness-Entspannungsprogramm um die strapazierten Muskeln zu lockern. Danach ein kurzes Kennen lernen für unsere „Neuen“, aber auch für die Anderen denen mal ein Name entschlüpft ist, eine gute Erinnerung. Spiele beschließen den Abend und wir treffen uns noch im Kaminzimmer. Ein Zusammensein mit vielen lebhaften Gesprächen. Ein guter Schluck Rotwein bringt die nötige Bettschwere und nach Mitternacht findet jeder sein Bett.

Sonntag und der letzte Probenvormittag. Noch einmal intensives musizieren, die Zeit vergeht wie im Flug und dann warten wir auf die Kritik unserer Dirigentin. Ja und diese Kritik fällt sehr wohlwollend aus und sie ist der Meinung, dass anstrengende Proben sei doch sehr effektiv gewesen und habe uns ein großes Stück nach vorne gebracht im Hinblick auf den Konzerttermin. Wir atmen alle auf bei diesem Lob und freuen uns schon auf die nächsten Proben in Bretten.

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