Zwischen schwebender Schwerelosigkeit und pompöser Schwerkraft

Autor: Maroje Culinovic | Datum: 18.04.2008

Das Sinfonieorchester Bretten am Melanchthon-Gymnasium mit gelungener Premiere in Oberderdingen. „Am Anfang ist man nervös, weil man nicht weiß, wie das Publikum auf die Stücke reagieren wird, doch nach dem ersten Stück legt sich das wieder und es macht dann auch richtig Spaß.“ Dieser Kommentar stammt von Marie Schneider, Schülerin des Melanchthon-Gymnasiums und Cellistin im Sinfonieorchester Bretten am Melanchthongymnasium, die sichtlich zufrieden mit dem soeben absolviertem Auftritt in der Laurentius-Kirche in Oberderdingen ist. Doch Spaß macht es nicht nur zu spielen, auch dem Orchester zuzuschauen und –hören bereitet Kurzweil. Ein besonderer Anblick ist es, wenn Schülerinnen und Schüler zusammen mit Ehemaligen, Eltern, Lehrern und Freunden fernab von jeglicher Generationentrennung zusammen ein Programm von sinfonischer Musik darbieten und voll Motivation und Hingabe dem Publikum fühlbar nahe bringen.

Als Eröffnung diente die Ouvertüre zu Mozarts Oper „Idomeneo“ aus dem Jahre 1780. Dieses kurze Stück zieht den Hörer in all seiner schwungvollen Leidenschaftlichkeit sogleich in den Bann des von Kirstin Kares geleiteten Orchesters. Den Anschluss übernimmt das 1775 von Carl Ditters von Dittersdorf komponierte „Konzert Nr. 2“ für Kontrabass und Orchester. Der sehr experimentierfreudige und phantasievolle Dittersdorf gilt als „Komiker unter den Klassikern“, wofür man in diesem Konzert reichhaltig Begründung findet. Alle nur denkbaren virtuosen Spieltechniken der Zeit werden dem Solisten am Kontrabass in diesem Stück mit volkstümlichem Humor zugemutet. Georg Noeldeke erweist sich dieser Aufgabe jedoch mehr als gewachsen, mit sichtbarer Routine meistert er jegliche Doppelgriffe, Flageoletts, hohe und tiefe Lagen seines Instruments. Dies kommt nicht von ungefähr, Noeldeke ist als Spezialist für Alte Musik Mitglied in den Barockorchestern La Banda Augsburg und dem Karlsruher Barockorchester sowie häufig bei L’arpa festante München und dem Hassler Consort Ochsenhausen engagiert. Des Weiteren betreut er Kontrabassklassen an diversen Musikschulen, darunter auch die Musikschule Bretten. Doch es ist nicht nur diese Virtuosität, die begeistert, sondern vielmehr das Zusammen- und Wechselspiel zwischen Orchester und Solist, die das eingespielte und wunderbar abgestimmte Orchester als Ganzes auszeichnet.

Das Programm macht nun einen Sprung in das 21. Jahrhundert, denn das dritte Stück „Spacemusic“ ist eine Eigenkomposition der Dirigentin Kirstin Kares, das in Oberderdingen seine Uraufführung feierte. Grundlage war der Wunsch, auch Neue Musik in der klassischen Sinfonieorchesterbesetzung zu spielen. Das Stück besteht aus zwei äußerst antithetischen Sätzen, wobei der erste Satz „Spacewalk“ von dem dreidimensionalen Film „Spacestation“ (Technikmuseum Sinsheim) über die Interna-tionale Raumstation ISS inspiriert wurde. Eindrucksvoll gelingt es dem Sinfonieorchester, das schwebende Gefühl der Schwerelosigkeit zu intonieren und dem Hörer mithilfe einer ungemein futuristischen Musik und seiner eigenen Fantasie eine packende Geschichte im Weltraum zu erzählen. „Down to Earth“, der zweite Satz des Stücks, arbeitet hingegen mit gänzlich anderen Motiven. Celli, Kontrabässe und Violinen werden plötzlich als Percussion-Instrumente benutzt, es wird auf das Holz und Notenständer geschlagen. Nichts anderes als die Schwerkraft ist es, die der Zuhörer nun unmittelbar erfährt, die ihm mit treibenden Paukenschlägen pompös entgegenschlägt. Kirstin Kares hat mit „Spacemusic“ ein impulsives und vielfarbiges Stück geschrieben, das Elke Eckert, Klarinettistin und Lehrerin am MGB, als „spannende Herausforderung“ für das Orchester beschreibt.

Die Krönung findet das Programm in Joseph Haydns Sinfonie Nr. 104 „Salomon“, in dem Haydn aus scheinbar „harmlosen“ volkstümlichen Melodien ein Meisterwerk in Hinblick auf die Verarbeitung des Themenmaterials und der feinsinnigen Instru-mentation erschafft. Mit musikalischem Elan meistert das Orchester auch dieses Stück und einmal mehr ist es beeindruckend, wie über 40 Musikerinnen und Musiker von verschiedenstem Alter zu einem jung und frisch anmutendem Klangkörper verschmelzen.

Zum Schluss bleibt die Hoffnung, dass das seit 2004 bestehende Sinfonieorchester angesichts einer so spürbaren Leidenschaft und Freude am Musizieren  noch lange das musikalische Angebot im Brettener Raum ergänzen und das kulturelle Leben in Bretten mitgestalten wird.

Maroje Culinovic

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